Fintech-Meilenstein im DAX

10.09.2018

Der 5. September 2018 dürfte in der deutschen Finanzbranche als ein historischer Tag in Erinnerung bleiben. Der Zahlungsdienstleister und Fintech-Veteran Wirecard steigt in den Börsenindex DAX auf und verdrängt mit der Commerzbank ausgerechnet eine traditionsreiche Bank.

Trendlinien Symbolbild

Wer hätte 1999 gedacht, dass aus dem damals frisch gegründeten Unternehmen InfoGenie, das 2005 in Wirecard umbenannt wurde, in weniger als 20 Jahren ein weltweit operierender Finanzdienstleister und ernstzunehmende Bank entsteht? Und die dann heute mit über 24 Milliarden Euro mehr als doppelt so hoch bewertet wird, als die Commerzbank? Die naheliegende Konsequenz tritt nun auch deshalb genau so ein – die Wirecard AG verdrängt die Commerzbank aus dem deutschen Leitindex DAX und steigt damit in den Olymp der 30 wichtigsten deutschen Börsenwerten auf.

Der DAX-Aufstieg der Wirecard AG ist ein mehr als deutliches Zeichen dafür, dass die Fintech-Branche schon längst ganz oben angekommen ist und mit mobilem Bezahlen, E-Commerce und Digitalisierung des Einzelhandels mehr Geld zu verdienen ist, als mit klassischen Bankdienstleistungen. Wirecard hatte immer einen guten Riecher dafür, die aufkommende E-Commerce-Branche mit maßgeschneiderten Zahlungslösungen zu versorgen und sei es zunächst als Versuchslösungen, bei denen niemand vorhersehen konnte, ob sie je erfolgreich werden könnten.

Die meisten Versuche wurden erfolgreich. Da Wirecard vom Point of Sales bis zum Endkunden praktisch den gesamten Transaktionsweg abdecken kann und darüber hinaus mit allen Kreditkartendienstleistern und vielen großen Online-Retailern seit Jahren vertrauensvoll zusammenarbeitet, sitzt das Unternehmen fest in der Payment-Branche. Und noch mehr: Mit seiner Banklizenz ist die Wirecard AG inzwischen auch im klassischen Einlagen- und Bankgeschäft tätig.

Trotz seines Erfolges ist Wirecard seiner Tradition als “Fintech-Veteran” treu geblieben. Noch heute ist Wirecard für viele kleinere Fintechs ein wichtiger Anlaufpunkt und Partner, nicht zuletzt auch durch die Banklizenz von Wirecard. Die erlaubte es so Fintechs wie N26 schon sehr frühzeitig, seinen Kunden Karten- und Zahlungsdienstleistungen anzubieten.

Die psychologische Komponente dieses DAX-Platzwechsels ist daher nicht zu unterschätzen. Banken dürfen sich ihrer bisherigen Position nicht mehr uneingeschränkt sicher sein. Wer die Digitalisierung verschläft, ist schnell “draußen”.

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