Disruption in der Lebensmittelindustrie

Michael Rettinger, 14.05.2019

Dass ein zu hoher Fleischkonsum nicht förderlich für die Gesundheit ist und die Tiermast zudem nur mit hohem Ressourcenverbrauch einhergehen kann, dürfte inzwischen landläufig bekannt sein. Und tatsächlich entwickelt sich in diesem Bereich, für den es jahrtausendelang keine Alternative gab, eine echte Disruption.

Burger

Ein Börsengang wie viele andere auch, zumindest wenn man sich die IPO-Zahlen anschaut. Aktien des Unternehmens Beyond Meat im Wert von 1,5 Milliarden US-Dollar warteten am 3. Mai 2019 darauf, im Nennwert von 25 US-Dollar auf den Markt gebracht zu werden. Die Dimensionen am Ende des Handelstages zeigen schon, dass hier etwas großes passiert: Am Ende des Handelstages steht der Kurs bei 65 US-Dollar, nachdem er während des Handels gar auf fast 72 US-Dollar gestiegen war. Fast schon “Startup-Werte”, obwohl Beyond Meat schon seit zehn Jahren existiert. Rund 4 Milliarden US-Dollar war Beyond Meat am Freitagabend wert.

Tatsächlich kommt Beyond Meat, ein “grünes” Unternehmen mit viel prominenter Unterstützung und mit viel einschlägiger Erfahrung, zur exakt richtigen Zeit. Während bei Endverbrauchern ein immer stärkeres Umweltbewusstsein vorherrscht und sie sich kritisch mit dem Schutz der Umwelt beschäftigen, gelangt diese Denkweise auch in die elementarsten Bereiche des alltäglichen Lebens. Dass für ein Kilogramm Rindfleisch über 15 Tonnen Wasser benötigt werden, sind keine theoretischen Werte, sondern harte Fakten.

Da kommen die veganen Fleischersatzprodukte von Beyond Meat genau richtig. Schon seit Anfang an entwickeln die Gründer in den USA Burger und Tacos auf rein pflanzlicher Basis und befeuern einen Trend in den USA (und inzwischen in vielen anderen Ländern, auch in Deutschland) hin zu Fleisch-Alternativen. Im Mutterland des Hamburgers ist das nicht viel weniger als der Versuch, eine Revolution anzuzetteln, die Beyond Meat sogar gegen die größten Fleischproduzenten immer stärker gelingt.

Dieser Trend schwappt auch schon seit längerem nach Deutschland über. Beispielsweise experimentieren so “fleischlastige” Hersteller wie Rügenwalder Mühle oder der Geflügelproduzent Wiesenhof inzwischen ebenfalls mit veganen Produkten, die zwar geschmacklich (noch) nicht mit echten Fleischprodukten mithalten können, aber ein interessanter Anfang sind.

Eine Disruption kommt selten allein. Und so erzeugen kritische und immer besser informierte Konsumenten inzwischen messbaren Druck auf etablierte Marktteilnehmer, die sehr schnell vor die Frage gestellt werden, ob sie den Trend als Akteur mitgehen, oder mit dem Risiko leben wollen, in wenigen Jahren im Abseits zu stehen. Sicher ist nur, dass kein Marktanteil wirklich sicher ist und immer häufiger ist der größte Wettbewerber nicht der Marktkonkurrent, sondern gewaltige Trendbewegungen.

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