“Graswurzel”-Journalismus als neue Rechercheform?

Besim Karadeniz, 25.01.2016

Printmedien sind im disruptiven Medienwandel in den letzten Jahren in schweres Fahrwasser geraten. Inmitten dieses Sturmes befindet sich auch die journalistische Arbeit von Redakteuren, deren Arbeit auch in einem werbefinanzierten Internet kaum kostendeckend innerhalb einer Publikation geleistet werden kann. Gehört die journalistische Zukunft unabhängigen Redaktions- und Recherchenetzwerken, die große und umfangreiche Recherchen zuliefern?

Der Begriff “Datenjournalismus” ist in den letzten Jahren ein echtes Buzzword und Garant für sehr große Geschichten geworden. Träumte man vor wenigen Jahren noch davon, wie es wäre, riesige Datenbestände zu bestimmten Sachverhalten zusammenzutragen und zu analysieren, so ist das heutzutage weitgehend nur noch eine Frage des Datenbezuges und des Aufwandes zur Analyse und Interpretation der Daten. Der moderne Journalist entwickelt sich hier immer stärker hin zu einem Datenanalytiker.

Eine solche Institution ist das gemeinnützige Recherchenetzwerk “CORRECT!V” aus Essen, das unter anderem mit der Franfurter Allgemeinen Zeitung zusammenarbeitet und Recherchearbeiten leistet. Zu aktuellen Geschichten gehört aktuell beispielsweise eine umfangreiche Datensammlung über öffentlich verfügbare Daten aller Sparkassen, die freilich zunächst einmal gesammelt werden müssen.

Zum Datensammeln greift CORRECT!V auf das Interesse und das Wissen von freiwilligen Unterstützern im Internet zurück, die für das Recherchenetzwerk auf Datensuche gehen und die gefundenen Informationen auf der CORRECT!V-Rechercheplattform “CrowdNewsroom” zusammentragen. CORRECT!V-Mitarbeiter übernehmen dann die Datenpflege und bereiten Rechercheergebnisse für die eigene Arbeit auf.

Was hier nach Ausnutzen von kostenlos geleisteter, hochwertiger Arbeit aussieht, hat bei näherer Betrachtung in Wirklichkeit sehr viel mit der ursprünglichen Arbeit von Journalisten zu tun. Journalisten greifen auf das Wissen von kundigen Informanten zurück, um daraus Sachverhalte abzuleiten, darüber zu berichten und Meinungen zu bilden. Der disruptive Medienwandel und der damit verbundene Zwang, Kosten- und Arbeitsstrukturen radikal umzustellen, führt an dieser Stelle daher zu einer Entwicklung, die für sich mit hoher Wahrscheinlichkeit zu ganz neuen Betrachtungsweisen führt.

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