Ist der Bitcoin eine Bürde für die Blockchain?

Dr. Joachim Degel, 23.11.2017

Zweifellos: Die Blockchain, also die unter dem Bitcoin liegende Technik, ist eine spannende Technologie in Finanzmärkten und Basis vieler Entwicklungen von Startups und auch in den Entwicklungsabteilungen klassischer Banken. Dennoch sind Bitcoin und Blockchain zwei unterschiedliche Dinge. Besonders die hohe Volatilität der Kryptowährung Bitcoin und immer wieder passierende Diebstähle von Bitcoin-Werten von schlecht gesicherten Handelsplattformen lassen immer wieder ein schlechtes Licht auch auf die Blockchain-Technologie werfen.

Was für Zocker ein Eldorado ist, ist für Währungsexperten ein Graus: Der Kurs des Bitcoins unterliegt häufig so starken Schwankungen, dass die meisten Händler, die Bitcoins akzeptieren, ihre Preise inzwischen minutengenau festlegen, um im Zweifelsfall keine Verluste durch Währungsschwankungen einzufahren. Dazu kommen immer wieder Meldungen über spektakuläre Diebstähle von Bitcoins. Aber was steckt hinter all diesen durchwachsenen Nachrichten?

Kurz gesagt: Die Blockchain-Technologie ist nicht daran schuld, sondern letztlich Bitcoin-Nutzer und -Händler:

  • Bitcoin-Nutzer deshalb, weil der Bitcoin-Kurs praktisch nur auf Angebot und Nachfrage basiert und daher keinerlei Währungspolitik einer Zentral- oder Notenbank unterliegt. Es gibt kein politisch motiviertes Korrektiv und daher ist der Bitcoin-Kurs als Kryptowährung auch sehr empfindlich gegenüber Spekulationen oder schlechten Nachrichten. Bitcoin-Besitzer reagieren bei entsprechenden Nachrichten unmittelbar und die großen Handelsplattform nehmen diese Handlungen entsprechend auch mit starken Kursschwankungen auf.
  • Bitcoin-Händler wiederum operieren immer wieder am Rande dessen, was moderne Datensicherheit heutzutage bedeutet. Das ist sicherlich auch dem Umstand geschuldet, dass die meisten Bitcoin-Händler keine “echten” Banken sind und es auch keine entsprechende Handelsaufsicht gibt, die auf die besonderen Datensicherheitsstrukturen bestehen kann, die beispielsweise für Banken gelten.

Demokratische Prozesse als Bitcoin-Nachrichtenschleuder

Als mit Abstand am größten kapitalisierte Kryptowährung ist der Bitcoin zudem auch sehr stark gefragt. Das führt zu Kapazitätsengpässen in der technischen Abwicklung von Transaktionen, die in der ursprünglichen Definition des Bitcoins schlicht nicht berücksichtigt wurden.

Nun hat der Bitcoin die Besonderheit, dass die Bitcoin-Community über Protokolländerungen und -erweiterungen weitgehend demokratisch abstimmen kann und das auch regelmäßig tut. Diese Diskussionen laufen nicht immer ohne Proteste ab und die größte Form des Protestes führt immer wieder zu einem so genannten Split der Bitcoin-Blockchain und der Bildung einer getrennten Blockchain - sozusagen eine neue Kryptowährung wird erzeugt, wie das in der Vergangenheit in der Form des “BitcoinCash” oder des “BitcoinGold” geschehen ist. Zwar tragen beide Kryptowährungen ebenfalls den Begriff “Bitcoin im Namen, sind jedoch vom eigentlichen Bitcoin völlig getrennt und repräsentieren auch völlig unterschiedliche Kurse.

All das führt bei Laien zu weiterer Verwirrung, auch wenn kontrollierte Blockchain-Splits fest in der ursprünglichen Blockchain-Technologie vorgesehen sind.

Deshalb gilt in allen unseren Gesprächen immer auch eine Aufklärung darüber, dass Bitcoin und Blockchain-Technologie zwar als verwandte Themen aufgefasst werden, das eine aber eben eine recht zuverlässige Technologie mit Entwicklungspotential und das andere eine stark beanspruchte Kryptowährung ist, die eben auf der Technologie aufsetzt, letztlich aber immer noch in den Kinderschuhen steckt.

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