Mobile Zahlungssysteme sind im Ausland längst state of the art

16.04.2018

Kennen Sie UPI, M-Pesa oder WeChat? Wenn nicht, sollten Sie sie unbedingt kennenlernen, denn die Zahlungssysteme, die sich hinter diesen Namen verbergen, revolutionieren in den Ländern, in denen sie entwickelt wurden, derzeit den Zahlungsverkehr und lassen die klassischen Zahlungssysteme von Banken ziemlich alt aussehen.

Mobile Zahlungssysteme in Fernost

Mit M-Pesa zahlt halb Afrika

Schon längst ein Klassiker geworden ist das im Jahr 2007 eingeführte kenianische Zahlungssystem M-Pesa des kenianischen Mobilfunkbetreibers Safaricom, das zusammen mit Vodafone entwickelt wurde. M-Pesa konzentriert sich vor allem auf Zahlungen von Mobiltelefon zu Mobiltelefon via SMS und SIM-Karten-Erweiterungen, da zu Beginn des Dienstes Smartphones noch nicht sehr weit verbreitet waren. Dafür funktioniert M-Pesa nahezu mit jedem Mobiltelefon.

Zudem basiert das System auf so genannte M-Pesa-Agenten, die als Zahlungsdienstleister für zu übertragende Zahlungen fungieren. Solche Dienstleister können lokale Geschäfte wie Tankstellen, Kioske oder Internetcafés sein. Auf diese Weise erreichte M-Pesa in Ländern, in denen Bankdienstleistungen für die meisten Menschen unerreichbar oder sehr teuer sind, sofort eine breite Zielgruppe.

Innerhalb weniger Jahre hat sich M-Pesa in vielen afrikanischen Ländern etabliert und ist heute auch in Ländern wie Afghanistan oder auch in Europa in Rumänien und Albanien nutzbar.

UPI in Indien

UPI steht für Unified Payments Interface und ist eine Entwicklung aus dem bevölkerungsreichen Indien. Klassische Bankdienstleistungen sind in Indien für viele Menschen unerschwinglich, während das Land gleichzeitig einer der höchsten Verbreitungsquoten für Smartphones vorweisen kann. Die indische Nationalbank hat daher 2016 ein Unternehmen namens National Payments Corporation of India gegründet, das mit UPI ein bankenübergreifendes, mobil nutzbares Zahlungssystem entwickelt hat und betreibt. Und auch UCI beeindruckt mit gewaltigen Zahlen; wurden 2016 noch 9 Milliarden Rupien (rund 111 Millionen Euro) via UCI transferiert, waren es 2017 bereits über 567 Milliarden Rupien (rund 7 Milliarden Euro) - ein Wachstum von rund 6.200 Prozent!

Dass UPI sehr hohes Potential hat, zeigt sich auch durch den Umstand, dass offenbar WhatsApp kurz davor steht, eine UPI-Schnittstelle zu bekommen. Jeder WhatsApp-Nutzer, der einen kostenlosen UPI-Account besitzt, kann dann sofort Gelder auf diesem Weg transferieren.

WeChat, das schweizer Taschenmesser aus China

Die App WeChat des chinesischen Unternehmens Tencent zeigt eindrucksvoll, wie ein bereits erfolgreiches Chatsystem, das vornehmlich in China zur Kommunikation genutzt wird, mit relativ wenig Aufwand um ein Zahlungssystem namens WeChat Pay ergänzt wird und dank der bereits bestehenden Nutzerbasis innerhalb kürzester Zeit zu einem Global Player in Sachen Zahlungen wird.

Die Zahlen von WeChat lesen sich äußerst beeindruckend. Durchschnittlich benutzen rund eine Milliarde Menschen WeChat täglich. Bis Ende 2016 hatten 200 Millionen Nutzer ihren Account mit einer Debitkarte verknüpft und damit die Payment-Funktion aktiviert. Und auch außerhalb Chinas ist WeChat inzwischen ein Begriff in Sachen Kommunikation.

Immer noch die Heimatbasis ist für WeChat der schier unerschöpfliche chinesische Markt. Hier hat gerade WeChat Pay ein Land geradezu zu mobilen Zahlern gemacht. Selbst kleinste Transaktionen und Einkäufe werden heutzutage von Jung und Alt via WeChat Pay bezahlt. Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass auch der chinesische Staat an WeChat Gefallen gefunden hat und sich Stimmen mehren, dass WeChat von Behörden zum Ausspähen von Bürgern genutzt wird. Ebenso komplex ist die Fragestellung, inwiefern sich die Grenzen verschieben, wenn Nutzer ihren WeChat-Account mit ihrer “ID-Karte”, dem chinesischen Personalausweis, verbinden können, um sich gegenüber staatlichen Behörden authentifizieren zu können.

Dennoch ist WeChat und WeChat Pay der Beweis dafür, dass mobile Zahlungssysteme keineswegs zwingend eine Bank brauchen, um entwickelt und verbreitet zu werden. Das genaue Gegenteil ist der Fall: Klassische Banken müssen sich in ihren Szenarien auf solche quasi blitzschnell entwickelten Wettbewerber einstellen.

Twitter aktivieren
Google+ aktivieren