Unternehmensbanken - eine neue Gefahr für klassische Banken?

Besim Karadeniz, 30.10.2015

Das baden-württembergische Hochtechnologieunternehmen Trumpf aus Ditzingen macht es vor, der hessische Autohersteller Opel ebenfalls: Es gibt einen noch zarten, aber dennoch unübersehbaren Trend zur eigenen Hausbank mit Vollbanklizenz.

Klassischen Banken droht nicht nur aus dem Bereich der innovativen Fintechs eine Gefahr, sondern immer stärker auch in einem ihrer Kerngeschäfte - der Unternehmensfinanzierung. Vor allem kleine, regional tätige Bankinstitute, die in Deutschland bis jetzt zu den großen Mittelstandsfinanzierern gehören, könnten hier zukünftig schmerzhafte Einbrüche erleiden.

Die zugrunde liegende Entwicklung ist an zwei aktuellen Beispielen zu sehen: Der Rüsselsheimer Autobauer Opel und das baden-württembergische Technologieunternehmen Trumpf aus Ditzingen bauen jeweils ihre unternehmenseigenen Leasinggesellschaften zu Banken mit eigener Vollbanklizenz unter den Regelungen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) aus.

Das Ziel dieser nicht ganz einfachen Transformation ist dabei klar: Eine eigene, vollwertige Hausbank eröffnet dem Unternehmen einen direkten Zugang in den Kapitalanlagemarkt und schafft flexiblere Möglichkeiten, um kapitalintensive Kundenlösungen weitgehend ohne Umwege zu finanzieren.

Nicht unterschätzt werden dürfen hierbei die Aspekte der Kundenloyalität. Unternehmen bringen in ihre Hausbanken ihre eigene Markentradition ein, zusätzlich das Vertrauen ihrer Mitarbeiter und eine Vielzahl an Kunden- und Lieferantenkontakte. Darüber hinaus haben unternehmenseigene Banken in der Regel einen deutlich geringeren Renditezwang und einen minimalen und hocheffizienten Verwaltungsapparat ohne kostenintensives Filialnetzwerk. Gepaart mit einfachen und komplikationslosen Anlageformen, die weitgehend über das Internet abgewickelt werden können, entsteht so ein kapitalkräftiger Wettbewerb in einem intensiven Markt.

In einer Umfrage der Unternehmensberatung PwC gaben von 90 befragten Unternehmen, die einem Gesamtumsatz von 180 Millionen Euro erwirtschaften, zwar “nur” rund 8 % der befragten Unternehmen an, innerhalb der nächsten drei Jahre eine eigene Hausbank gründen zu wollen, aber dennoch ist dies ein deutliches Warnzeichen. Noch hält ein verhältnismäßig hoher bürokratischer Aufwand viele Unternehmen von einer Gründung einer eigenen Hausbank ab, allerdings existiert bei größeren und international tätigen Unternehmen mit hohem Finanzierungsbedarf ein immer größerer Bedarf nach flexiblen und schnellen Finanzierungsmöglichkeiten.

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