Wie sich Apple Pay und Google Pay finanzieren und die Regeln neu schreiben

Dr. Joachim Degel, 10.01.2019

Noch sind es weitgehend nur eingefleischte Smartphone-Fans, die zum Bezahlen an der Supermarktkasse das Smartphone zücken und kontaktlos bezahlen. Schon heute aber dürfte klar sein, dass das Zahlen mit Smartphone und Smartwatch keine Eintagsfliege bleiben wird. Eine Bestandsaufnahme aus Beratungssicht.

Kreditkarte in Apple Pay

Wie viele Zahlungsvorgänge rein mit dem Smartphone abgewickelt werden, gehört - noch - zu den Geschäftsgeheimnissen der Banken, die überhaupt das kontaktlose Bezahlen mit dem Smartphone anbieten. Dennoch sind Kunden mit gezückten Smartphones in Ladengeschäften schon lange keine Seltenheit mehr und da ist der Weg zum Bezahlen mit dem Smartphone ausgesprochen kurz.

Auch Unternehmen halten sich bedeckt in Sachen Mobile-Payment-Einsatz, was aber auch daran liegen könnte, dass aus abwicklungstechnischer Sicht gar nicht so viel passiert.

Denn sowohl Apple Pay als auch Google Pay arbeiten in dem Sinne, dass nach der Einrichtung des Zahlungsdienstes eine virtuelle kontaktlose Kreditkarte auf dem Smartphone angelegt wird. Akzeptiert ein Geschäfts beispielsweise Visa und möchte jemand mit seinem Smartphone bezahlen, auf dem er beispielsweise als Zahlungsweg die Comdirect-Bank eingetragen hat, dann läuft dieser Zahlungsvorgang anstandslos, da die virtuelle Kreditkarte der Comdirect-Bank eine Visa-Karte ist. Lediglich die Autorisierung verschiebt sich nun auf das Smartphone, denn dort muss sich der Benutzer authentifizieren, wenn der Zahlungsbetrag über einer bestimmten Schwelle liegt.

Wer verdient denn eigentlich Geld?

Hier unterscheiden sich Apple Pay und Google Pay fundamental. Während Google für den Einsatz von Google Pay gegenüber Banken und Zahlungsdienstleistern keine Gebühren verlangt, möchte man lediglich die Daten der Zahlungsvorgänge. Bei Apple ist es exakt anders herum, denn hier will man in erster Linie bei jeder Transaktion Geld verdienen, während nach eigenen Angaben das Konsumverhalten des Nutzers nicht im Interesse des iPhone-Herstellers liegt.

Nicht berücksichtigt sind dabei die Kosten für die Implementierung der Zahlungssysteme mit den jeweiligen Gateways von Google und Apple, die ebenfalls zum größten Teil durch die Institute getragen werden müssen.

Klar ist aber auch, dass vor allem Zahlungsdienstleister den größten Teil der laufenden Kosten des Mobile Payments tragen. Kunden zahlen weiterhin keine Transaktionsgebühren. Solche werden im übrigen von Google Pay und Apple Pay nicht akzeptiert, wenn ein Geschäft explizit mit der Akzeptanz beider Systeme werben möchte. Und auch Geschäfte sind weitgehend nicht bereit, neben den bisherigen Courtagen noch zusätzliche Gebühren an Apple und Google zu überweisen.

Damit haben sowohl Apple, als auch Google die Möglichkeit, möglicherweise in Zukunft die Daumenschrauben anzuziehen. Apple macht das bereits heute vor, in dem der NFC-Chip im iPhone, der für das kontaktlose Bezahlen die Basis ist, nur von der hauseigenen Apple-Pay-Software angesprochen werden darf. Google lässt in seinem Android-Betriebssystem grundsätzlich auch anderen Apps den Zugriff auf den NFC-Chip im Smartphone, was beispielsweise die Sparkassen mit ihrer eigenen App zum Einrichten der hauseigenen Girocard nutzen.

Fakt ist aber: Zurück kann niemand mehr. Zwar gibt es heute noch von Seiten vieler Banken den eindeutigen Wunsch, auch mit eigenen Apps auf den NFC-Chip in iPhones zugreifen zu wollen. Viele dieser Banken haben aber nicht begriffen, wie abhängig sie in der Zwischenzeit von Tech-Anbietern geworden sind und welche Macht die Plattformen dieser Anbieter haben, nämlich letztlich Millionen von Smartphone-Besitzern. Und wer als Bank nicht mitmacht, liest morgens aus der Tageszeitung, dass beispielsweise Google Pay mit der Integration von PayPal auf einen Schlag alle Girokonten in Deutschland anbinden kann.

Die gesamte Mobile-Payment-Entwicklung des letzten halben Jahres dürfte in einer Gesamtbetrachtung nur der Prolog zu weiteren Disruptionen sein, die Banken vor ganz neuen Herausforderungen stellen wird. Der Zug in Sachen Mobile Payment rollt und jetzt ist vor allem der rechtzeitige Zustieg mit überzeugenden Lösungen gefragt.

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